|
Gedichte... mit die schönste Art sich auszudrücken.Hier seht ihr ein paar große Dichter und ihre Werke.

Loreley
Ich weiß nicht was es bedeuten, dass ich so traurig bin. Ein Märchen aus alten Zeiten, dass kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt und ruhig fließt der Rhein. Der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein.
Die schönste Jungfrau sitzet dort oben wunderbar. Ihr goldenes Geschmeide blitzet, sie kämmt ihr goldenes Haar.
Sie kämmt es mit goldenem Kamme und singt ein Lied dabei. Das hat eine wundersame, gewaltige Melodei.
Dem Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh. Er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinaus in die Höh.
Ich glaube,die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn. Und das hat mit ihrem Singen die Loreley getan.
(Heinrich Heine)

Der Handstand auf der Loreley.Nach einer wahren Begebenheit 1932
Die Loreley,bekannt als Fee und Felsen ist jener Fleck am Rhein,nicht weit von Bingen, wo früher Schiffer mit verdrehten Hälsen, von blonden Haaren schwärmend,untergingen.
Wir wandeln uns.Die Schiffer inbegriffen. Der Rhein ist reguliert und eingedämmt. Die Zeit vergeht.Man stirbt nicht mehr beim Schiffen, bloß weil ein blondes Weib sich dauernd kämmt.
Nichtsdestotrotz geschieht auch heutzutage noch manches,was der Steinzeit ähnlich sieht. So alt ist keine deutsche Heldensage, dass sie nicht doch noch Helden nach sich zieht.
Erst neulich machte auf der Loreley hoch überm Rhein ein Turner einen Handstand! Von allen Dampfern tönte Angstgeschrei, als er kopfüber oben auf der Wand stand.
Er stand,als ob er auf dem Barren stünde. Mit hohlem Kreuz.Und lustbetonten Zügen. Man frage nicht:Was hatte er für Gründe? Er war ein Held.Das dürfte wohl genügen.
Er stand,verkehrt,im Abendsonnenscheine. Da trübte Wehmut seinen Turnerblick. Er dachte an die Loreley von Heine. Und stürzte ab.Und brach sich das Genick.
Er starb als Held.Man muss ihn nicht beweinen. Sein Handstand war vom Schicksal überstrahlt. Ein Augenblick mit zwei gehobenen Beinen ist nicht zu teuer mit dem Tod bezahlt!
P.S.Eins wäre allerdings noch nachzutragen: Der Turner hinterließ uns Frau und Kind. Hinwiederum,man soll sie nicht beklagen. Weil im Bezirk der Helden und der Sagen die Überlebenden nicht wichtig sind.
(Erich Kästner)

Einsamkeit
Einsam bist du sehr alleine. Aus der Wanduhr tropft die Zeit. Stehst am Fenster.Starrst auf Steine. Träumst von Liebe.Glaubst an keine. Kennst das Leben.Weißt bescheid. Einsam bist du sehr alleine- Und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.
Wünsche gehen auf die Freite. Glück ist ein verhexter Ort. Kommt dir Nahe.Weicht zur Seite. Sucht vor Suchenden das Weite. Ist nie hier.Ist immer dort. Stehst am Fenster.Starrst auf Steine. Sehnsucht krallt sich in dein Kleid. Einsam bist du sehr alleine- Und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.
Schenkst dich hin.Mit Haut und Haaren. Magst nicht bleiben,wer du bist. Liebe treibt die Welt zu Paaren. Wirst getrieben.Musst erfahren, dass es nicht die Liebe ist. Bist sogar im Kuss alleine. Aus der Wanduhr tropft die Zeit. Gest an Fenster.Starrst auf Steine. Brauchtest Liebe.Findest keine. Träumst vom Glück.Und lebst im Leid. Einsam bist du sehr alleine- Und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.
(Erich Kästner)

Ein Mensch der Ideale hat,der hüte sich,sie zu erreichen. Sonst wird er eines tages,anstatt sich Selber,andren Menschen gleichen.
(Erich Kästner)

Ohne Worte
Man kann sich selber manchmal gar nicht leiden und möchte sich vor Wut den Rücken drehen. Wer will,ob das berechtigt ist,entscheiden? Doch wer sich kenn,der wird mich schon verstehn.
Wenn eine Straßenbahn vorüberfegte, kann es passieren,dass man sich höchst wundert, warum man sich nicht einfach drunterlegte. Und solche Fälle gibt es über hundert.
Man muss sich stets die gleichen Hände waschen! Und wer Charakter hat,ist schon beschränkt! Womit soll man sich denn noch überraschen? man muss schon gähnen,wenn man an sich denkt.
man hängt sich meterlang zu Hals heraus. In Worte lässt sich sowas gar nicht kleiden. Man blickt sich an-Und hält den Blick nicht aus! Und kann sich selbst nicht leiden.
Wie gerne wär man dann dies oder das! Ein Bild,ein Buch,im Wald ein Meilenstein, ein Buschwindröschen oder sonst etwas! Behüt dich Gott,es hat nicht sollen sein.
Jedoch auch solche Tage gehn herum. Und man fährt fort,sich in die Brust zu werfen. Der Doktor nickt und sagt:Das sind die Nerven. Ja,wer zu klug wird,ist schon wieder dumm.
(Erich Kästner)

Das Beste
Wenn dirs in Kopf und Herzen schwirrt, was willst du Bessres haben? Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben!
(Goethe)

Der Zauberlehrling
Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben! Und nun sollen seine Geister auch nach meinem Willen leben. Seine Wort und Werke merkt ich und den Brauch, und mit Geistesstärke tu ich Wunder auch.
Walle walle manche Strecke, dass,zum Zwecke, Wasser fließe und mit reichem,vollen Schwalle zu dem Bade sich ergieße.
Und nun komm,du alter Besen, nimm die schlechten Lumpenhüllen! Bist schon lange Knecht gewesen: Nun erfülle meinen Willen! Auf zwei Beinen stehe, oben sei ein kopf, eile nun und gehe mit dem Wassertopf!
Walle walle manche Strecke, dass,zum Zwecke, Wasser fließe und mit reichem,vollen Schwalle zu dem Bade sich ergieße.
Seht,er läuft zum Ufer nieder! Wahrlich!Ist schon an dem Flusse, und mit Blitzesschnelle wieder ist er hier mit raschem Gusse. Schon zum zweiten Male! Wie das Becken schwillt! Wie sich jede Schale voll mit Wasser füllt!
Stehe!Stehe! Denn wir haben deiner Gaben vollgemessen!- Ach,ich merk es!Wehe,wehe! hab ich doch das Wort vergessen!
Ach,dass Wort,worauf am Ende er das wird,was er gewesen! Ach,erläuft und bringt behende! Wärst du doch der alte Besen! Immer neue Güsse bringt er schnell herein, ach, und hundert Flüsse stürzen auf mich ein!
Nein,nicht länger kann ichs lassen: Will ihn fassen! Das ist Tücke! Ach,nun wird mir immer bänger! Welche Miene!Welche Blicke!
Oh,du Ausgeburt der Hölle! Soll das ganze Haus ersaufen? Seh ich über jede Schwelle doch schon Wasserströme laufen. Ein verruchter Besen, der nicht hören will! Stock,der du gewesen, steh doch wieder still!
Willst am Ende gar nicht lassen? Will dich fassen, will dich halten und das alte Holz behende mit dem scharfen Beile spalten!
Seht,da kommt er schleppend wieder! Wie ich mich nur auf dich werfe, gleich,oh Kobold,liegst du nieder; Krachend trifft die glatte Schärfe. Wahrlich!Brav betroffen Seht ,er ist entzwei! Und nun kann ich hoffen, und ich atme frei!
Wehe wehe! Beide Teile stehn in Eile schon als Knechte völlig fertig in die Höhe! Helft mir,ach,ihr hohen Mächte!
Und sie laufen!Nass und nässer wirds im Saal und auf den Stufen: Welch entzsetzliches Gewässer! Herr und Meister,hör mich rufen!- Ach,da kommt der Meister! Herr,die Not ist groß! Die ich rief,die Geister, werd ich nun nicht los.
"In die Ecke, Besen,besen! Seids gewesen! Denn als Geister ruft euch nur,zu seinem Zwecke, erst hervor der alte Meister."
(Goethe)

An Lili
Im holden Tal,auf schneebedeckten Höhen war stets dein Bild mir nah: Ich sahs um mich in lichten Wolken wehen, im Herzen war mirs da. Empfinde hier,wie mit allmächtigem Triebe ein Herz das andre zieht- Und das vergebens Liebe vor Liebe flieht.
(Goethe)

Die Frösche
Ein großer Teich war zugefroren; Die Fröschlein, in der Tiefe verloren, durften nicht ferner quaken noch springen, versprachen sich aber im halbem Traum: Fänden sie nur da oben Raum, wie Nachtigallen wollten sie singen. Der Tauwind kam,dass Eis zerschmolz, nun ruderten sie und landeten stolz und saßen am Ufer weit und breit und quakten wie vor alter Zeit.
(Goethe)

Willst du dich am Ganzen erquicken? So musst du das Ganze im Kleinsten erblicken.
(Goethe)

Erlkönig
Wer reitet so spät durch nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind; Er hat den Knaben wohl in dem Arm, er faßt ihn sicher,er hält ihn warm.
Mein Sohn,was bringst du so bang dein Gesicht? Siehst Vater,du den Erlkönig nicht? Den Erlenkömig mit Kron und Schweif?- Mein Sohn,es ist ein Nebenstreif.-
>Du liebes Kind,komm geh mit mir! Gar schöne Spiele spiel ich mit dir; Manch bunte Blumen sind an dem Strand, meine Mutter hat manch gülden Gewand.<
Mein Vater,mein Vater und hörest du nicht, was Erlenkönig mir leise verspricht?- Sei ruhig,bleib ruhig,mein Kind; In dürren Blättern säuselt der Wind.-
>Willst,feiner Knabe,du mit mir gehn? meine Töchter sollen dich warten schön; Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn und wiegen und tanzen und singen dich ein.<
Mein Vater,mein Vater und siehst du nicht dort Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?- Mein Sohn,mein Sohn,ich seh es genau: Es scheinen die alten Weiden so grau.-
>Ich liebe dich,mich reizt deine schöne Gestalt und bist du nicht willig,so brauch ich Gewalt.< Mein Vater,mein Vater,jetzt faßt er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan!-
Dem Vater grauset's,er reitet geschwind, er hält in den Armen das ächzende Kind, erreicht den Hof mit Mühe und Not; In seinen Armen das Kind war tot.
(Goethe)

Frömmigkeit verbindet sehr; Aber Gottlosigkeit noch viel mehr.
(Goethe)

Im Nebel
Seltsam,im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, kein Baum sieht den andern, jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt als mein Leben noch Licht war; Nun,da der Nebel fällt, ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich,keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt, dass unentrinnbar und leise von allen ihn trennt.
Seltsam,im Nebel zu wandern! Leben ist Einsamsein. Kein Mensch kennt den andern, jeder ist allein.
(Hermann Hesse)

Alle Bücher dieser Welt bringen dir kein Glück. Doch sie weisen dich geheim in dich selbst zurück.
(Hermann Hesse)

Der alte Garten
Kaiserkron und Päonien rot, die müssen verzaubert sein, denn Vater und Mutter sind lange tot, was blühn sie hier so allein?
Der Springbrunn plaudert noch immerfort von der alten,schönen Zeit, eine Frau sitzt eingeschlafen dort, ihre Locken bedecken ihr Kleid.
Sie hat eine Laute in der Hand, als ob die im Schlafe spricht, mir ist,als hätt' ich sie sonst gekannt- Still,geh vorbei und weck sie nicht!
Und wenn es dunkelt das Tal entlang, streift sie die Saiten sacht, da gibts einen wunderbaren klang durch den Garten die ganze Nacht.
(Joseph von Eichendorff)

Mondnacht
Es war,als hätt' der Himmel die Erde still geküsst, dass sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder, die Ähren wogten sacht, es rauschten leis' die Wälder, so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.
(Joseph von Eichendorff)

Baum
Zu fällen einen schönen Baum, braucht's eine Viertelstunde kaum. Doch zu wachsen, bis ihr ihn bewundert, braucht er, bedenkt es, ein Jahrhundert.
(Eugen Roth)

Im Schnee
Wie naht das finster türmende Gewölt so schwarz und schwer! Wie jagt der Wind,der Stürmende, dass Schneegestöber her!
Verschwunden ist die blühende und grüne Weltgestalt; Es eilt der Fluss,der fliehende, im Schneefeld nass und kalt.
Wohl dem,der nun zufrieden ist und innerlich sich kennt! Dem warm ein Herz beschieden ist, dass heimlich loht und brennt!
Wo,traulich sich dran schmiegend,es die wache Seele schürt, ein perlend,nie versiegendes Gedankenbrauwerk rührt!
(Gottfried Keller)

Heile die Welt
Nur die Heiligen heilen die Welt, durch die Eiligen wird sie entstellt, durch die Hassenden wird sie zerstört, durch die Prassenden wird sie entleert. Die nur Flüchtigen retten sie nicht, und die Sündigen löschen das Licht. Die still Tragenden bauen das Haus, die Entsagenden schmücken es aus. Die Gott Dienenden segnen die Zeit, und die Sühnenden tilgend das Leid. Dich zu beteiligen bist du bestellt, tritt zu den Heiligen,heile die Welt!
(Anton Walter)

|