In einer Denkschrift des Göppinger Bürgermeisters Dr. Keck von 1912 wird die mögliche Bahntrasse beschrieben (Auszug aus der Denkschrift)
Die Nebenbahn beginnt auf dem Bahnhof Göppingen der Hauptbahn Stuttgart-Ulm und zieht innerhalb des Stadtbezirks Göppingen neben der Hauptbahn in der Richtung gegen Ulm und zwar auf deren südlicher Seite hin. Außerhalb des städtischen Bereichs hat sodann die Linie auf möglichst kurzem Wege das Filstal zu überschreiten, um das Dorf Holzheim westlich zu umgehen; eine östliche Umgehung erscheint ausgeschlossen, weil die Bahn sich in der Folge östlich gegen Heiningen zu wenden hat. Zwischen Göppingen und Holzheim wird zum ersten Male die Einlegung jener größten Steigung von 1:45 notwendig, um den Vizinalweg Göppingen-Holzheim bei km 3,145 in Schienenhöhe überschreiten zu können. Die Haltestelle Holzheim konnte in unmittelbarer Nähe des Dorfes und so gelegt werden, daß für den größten Industriellen des Dorfes - die Firma "Württembg. Genossenschaftsbrauerei Holzheim" - die Anlage eines Anschlußgleises in einfacher Weise ermöglicht wird. Von der Haltestelle Holzheim aus steigt die Bahn am linken Hange des Weiterbachtals auf und gelangt in die Nähe der Weiler St. Gotthardt, Gde. Holzheim und Ursenwang, Gde. Schlat, für welch' beide Haltepunkte vorgesehen sind. In der Folge erreicht sodann die Bahn das Eschenbächle, nach dessen Überschreitung ein Haltepunkt Eschenbach angeordnet ist. Zwischen dem Haltepunkt Eschenbach und der Haltestelle Heiningen befindet sich das tief eingeschnittene Heubachtal; es wäre nun möglich gewesen, in steter Fortsetzung der Steigung der Bahn bezw. durch Einlegung einer Horizontale mit anschließender Steigung durch eine Ausbiegung gegen Südwesten die Linie fortzuführen, so daß sich von Göppingen bis Station Boll nur Steigungen, keine Gefälle ergeben würden. Man hat vorgezogen, vom Haltepunkt Eschenbach aus die Linie in gerader Richtung gegen Westen zu führen und mit dem Verhältnis 1:150 gegen das Heubachtal abzufallen, wodurch sich eine verlorene Steigung von 6,00 Meter ergibt; es wurde hierdurch die Linie um 300 - 400 Meter verkürzt, eine günstigere Horizontalprojektion der Linie erzielt und der Damm über den Heubach von 14 Meter auf 11,5 Meter beschränkt.
Die Haltestelle Heiningen liegt südlich vom Dorf unmittelbar westlich an der Verbindungsstraße Heiningen-Gammelshausen; auch hier läßt sich ein Gleisanschluß etwaiger Industriebetriebe, z.Bsp. der Dampfziegelei Heiningen, leicht ermöglichen. Nicht mit Unrecht ist seitens eines Teils der Interessen die Lage der Haltestelle Heiningen in einer Beziehung bemängelt worden. Es wurde nämlich die Befürchtung ausgesprochen, daß die Bewohner der Mitte und des nördlichen Endes des Dorfes die Bahn nicht benützen würden, da sie genötigt seien, 500-1000 Meter in der Göppingen entgegengesetzten Richtung zu gehen, um mit der Bahn mit dem beträchtlichen Umweg über Ursenwang und Holzheim nach Göppingen zu gelangen. Dieses Bedenken besteht seit Beginn der Projektierung, allein, wenn die Bahn einmal über Holzheim und nicht von Göppingen aus unmittelbar durch das Heubachtal geführt werden soll, so erscheint angesichts der Geländeverhältnisse bei Heiningen eine andere Lösung, wenn dieselbe Anspruch auf wirtschaftlichen und technischen Wert zugleich machen soll, kaum denkbar.
Von der Haltestelle Heiningen aus wendet sich die Bahn in südwestlicher Richtung gegen das Dorf Dürnau, indem sie auf die ganze Länge zwischen beiden Stationen mit 1:45 ansteigt. Die Ermäßigung dieser Steigung hätte nur durch eine beträchtliche Verlängerung der Linie mit wesentlich ungünstiger Horizontalprojektion bewirkt werden können. Die Haltestelle Dürnau-Gammelhausen liegt unmittelbar nordöstlich von Dürnau. Von der Haltestelle Dürnau ab zieht sich die Bahn in südwestlicher Richtung gegen Boll. Die langgestreckte Gestalt dieses Dorfes, dessen nördlicher Teil in der Karte mit Sehningen bezeichnet ist, die Gestaltung des Geländes nördlich und südlich von Boll, und endlich die Lage von Bad Boll gegen Dorf Boll verbietet sowohl eine nördliche als eine südliche Umgehung des letzteren; es erscheint geboten, das Dorf in der Mitte zu durchfahren, wenn sich auch hierdurch die Notwendigkeit der Erwerbung einiger Häuser ergibt. Die Station Boll kann hierdurch in geeigneter Weise unmittelbar westlich vom Dorf mit guter Zufahrt von der Hauptstraße her angeordnet werden. Bei Fortsetzung der Bahn von der Station Boll aus gegen Bad Boll muß ein Gefälle von 1:65 eingelegt werden, um die Linie gegen das tiefer gelegene Bad zu führen; östlich von demselben soll neben dem Weg, der vom Bad zum Dorf führt, die Haltestelle angelegt werden. Die Linie ist hier so geführt, daß eine etwaige Fortsetzung derselben in der Richtung nach Weilheim, zunächst über Eckwälden und Zell möglich ist.