Der folgende Text ist aus dem Buch "Von Siezun bis Süßen-Ein Streifzug durch 900 Jahre" von Walter Ziegler entnommen :
"Eine Beschreibung der neuen Bahnlinie gibt der Schwäbische Merkur vom 07. Dezember 1901 :
Die Bahn beginnt auf dem Bahnhof Süßen, der zur Zeit einer umfassenden Erweiterung unterzogen wird, wobei der schienengleiche
Übergang der Staatsstraße über die Hauptbahn beseitigt und durch eine Überführung ersetzt wird. Der Anschluß der Nebenbahn in Süßen erfolgt auf der
dem Verwaltungsgebäude gegenüber liegenden Seite in der Schienenhöhe der Hauptbahn mit 364,80 m über N.N. Die Bahn folgt zunächst der Hauptbahn
in der Richtung gegen Ulm, ist neben derselben unter der neuen Staatsstraßenüberführung durchgeführt, und wendet sich dann gegen Nordosten in das
Lautertal. Bei km 1,200 wird die tief eingeschnittene Lauter mit einer 17 m weiten eisernen Fachwerksbrücke überschritten und bei km 3,423 die
Haltestelle Donzdorf erreicht ...
Beim Bau ist die Linienführung des generellen Plans im wesentlichen beibehalten worden. Die Länge der Bahn beträgt von Mitte
zu Mitte der Verwaltungsgebäude in Süßen und Weißenstein 10,409 km. Die größte angewendete Steigung ist 1:30, der kleinste Krümmungshalbmesser 200 m.
Der Höhenunterschied zwischen der Station Süßen und der Endstation Weißenstein beträgt 147,6 m.
Die Baukosten der neuen Bahn betragen ohne die Grunderwerbung und ohne die Kosten der Erweiterung des Bahnhofs Süßen 860 000 Mark;
der Grund und Boden ist von den beteiligten Gemeinden unentgeltlich gestellt worden; auch haben dieselben einen baren Zuschuß zu den Baukosten im
Betrag von 25 000 M geleistet. Die Bahn ist unter der Oberleitung von Bauinspektor Kräutle durch die von 1899-1901 bestehende Bausektion Süßen, der Abteilungsingenieur Nörr vorsteht, erbaut worden ...
Die eiserne Brücke hat die Brückenbauanstalt Jagstfeld geliefert; die Hochbauten wurden durch Handwerksmeister der Umgebung erstellt.
Die Bahnhoferweiterung Süßen ist zur Zeit noch in Gang. Im Zusammenhang mit derselben wird auf diesem Bahnhof ein Fußsteg über sämtliche Gleise erstellt werden, um vom Verwaltungsgebäude einen schienenfreuen Zugang zum Bahnsteig der Weißensteiner Bahn zu haben.
Mitte August 1902 waren die Umbauarbeiten am Bahnhof in Süßen abgeschlossen, und kurz danach wurde er dem Verkehr übergeben. "Die früher sehr beengten Bahnhofräumlichkeiten haben naturgemäß jetzt eine wesentliche Erweiterung erfahren, was sowohl von dem reisenden Publikum, als auch von den Beamten lebhaft begrüßt wird", berichtete die Geislinger Zeitung unterm 26. August 1902."